Jubiläumskonzert zum 25 jährigen Bestehen

Am 07.10.2018 durften wir unser 25 jähriges Bestehen mit einem Konzert in der evangelischen Christuskirche in Hennef feiern.

Im Rahmen einer Chorprobe haben wir die gesammelten Spenden  an die Caritas Ortsgruppe Happerschoß sowie die Diakonie Sieg-Rhein übergeben.

25 Jahre Chor Arche Noah   - Die Geschichte von Matthias zu unserem Jubiläum

In jener Zeit strahlte die heilige Cäcilia über beide Ohren vor Glück:
Gerade eben hatte sie mit dem gewaltigen himmlischen Chor den letzten Takt des 1000-jährigen Hallelujas zu Ende gesungen. Jetzt, wo der letzte Ton verklungen war, verneigte sie sich gemeinsam mit den vielen Milliarden Sängerinnen und Sängern, die Gnade gefunden haben bei Gott von Anbeginn der Welt – und nun im Reich Gottes miteinander musizierten und feierten.

So hatten sie also alle gemeinsam 1000 Jahre zu Ehren des dreieinigen Gottes freudig gesungen, ihm, der in einem unzugänglichen Licht wohnt, das allumfassende und bedingungslose Liebe ausstrahlt, das alle Sängerinnen und Sänger mit unendlicher Freude, gegenseitiger Zuneigung und vollkommenster Harmonie erfüllt – Männer, Frauen, Kinder und Greise.


Nun konnte der riesige Chor eine Pause einlegen und das nächste 1000-jährige Halleluja vorbereiten.

Sofort steuerte Ludwig van Beethoven mit seinen ständig ungekämmten Haaren auf die heilige Cäcilia zu, um für die nächste Halleluja-Session etwas mehr Pathos zu empfehlen. Altmeister Johann Sebastian Bach ließ auch nicht lange auf sich warten und empfahl etwas anspruchsvollere Melodiefolgen, Wolfgang Amadeus Mozart dagegen ein verspielteres Arrangement.

Inmitten der frohen Pause und des heiligen musikalischen Diskutierens stand in Chor-Reihe 5.357 ein Mann mit nachdenklich gesenktem Haupt, Noah. Ja, Noah - der Mann, der weitab von irgendwelchen Flüssen, Seen, Meeren oder Ozeanen auf Geheiß Gottes ein großes Schiff, die Arche, gebaut hatte, um von jeder Tierart ein Pärchen und seine eigene Familie vor der alles vernichtenden Sintflut zu retten. Und jetzt stand Noah weit vorne in seiner Chor-Reihe kurz hinter den Neandertalern, Chromagnon-Menschen und dem Austrolopithecus – und brütete irgendetwas hinterher.

Der Erzengel Gabriel wurde als Erster auf die reduzierte Glückseligkeit von Noah aufmerksam und fasste sich ein Herz. Er glitt zu Noah hinüber und begann ein Gespräch – und da kam es heraus: Seit dem irdischen Ableben Noahs waren nun 250 1000-jährige Hallelujas gesungen worden! Und mittlerweile fragte sich Noah, was wohl aus seiner schönen alten Arche geworden war?

Der Erzengel Gabriel nickte freundlich wie verständnisvoll mit seinem Kopf und berichtete dann voller Sorge um Noah dem himmlischen Vater.

ER, dem das Wohlergehen all seiner Söhne und Töchter am Herzen liegt, beriet sich mit seinem Sohn. Aber schließlich inspirierte der Heilige Geist mit einer wunderbaren wie simplen Idee: Noah sollte ein paar Stunden Urlaub vom Himmel bekommen, um auf der Erde die Reste seiner „Arche Noah“ zu sehen.

Allerdings: Anscheinend hat auch im Himmel der Heilige Bürokratius kräftig mitorganisiert. Wer vom Himmel zum Urlaub auf die Erde zurück möchte, muss sich gemäß des himmlischen Datenschutzgesetzes dazu verpflichten, über alles, was im Himmel geschieht, striktes Stillschweigen zu bewahren; außerdem darf man als auf die Erde Zurückkehrender sich keinem Menschen zeigen, um bei den Erdlingen keine Panik oder psychische Krise auszulösen. Nicht einmal der altbekannte Spaß des rostigen Kettenrasselns zu mitternächtlicher Stunde ist mehr erlaubt.

Noah unterschrieb alles ohne mit der Wimper zu zucken – Hauptsache er würde seine alte Arche wiedersehen!

Anschließend wurde er vom heiligen Geographikus, dem das himmlische Transportwesen untersteht, herzlich begrüßt. Voller Konzentration, Sorgfalt und Präzision wählte der Logistik-Profi Noahs Landepunkt auf der Erde aus. Schließlich war es soweit: Mit einem freundlichen breiten Lachen auf dem Gesicht wendet sich der heilige Geographikus winkend Noah zu und wünschte ihm “einen erholsamen Kurzurlaub“.

Für einen Sekundenbruchteil wurde Noah schwarz vor Augen. Als er sich wieder langsam an das Licht gewöhnt hatte, erkannte er, dass er nicht mehr im Himmel war, sondern in einem großen Raum mit hölzernem Dachstuhl und riesigen Bullaugen – allerdings viereckigen, die bis zum Fußboden reichten.

An der einen Schiffswand hing ein hölzernes Bildnis des Sohnes Gottes am Kreuz, darunter stand ein großer brauner Holzkasten mit vielen kleinen weißen und schwarzen Tasten. In der Mitte des Raumes eine heilige Cäcilia, nein, Moment, ein Chorleiter, allerdings mit Brille und ohne Flügel auf dem Rücken. Davor eine Gruppe von Männern und Frauen, die sich laut schwätzend und mit viel Lebendigkeit über die neuesten Neuigkeiten austauschten. „Seltsam“, dachte sich Noah. „Das soll meine alte Arche sein?“ Die war damals natürlich viel, viel größer gewesen, hatte ein paar winzige runde Bullaugen gehabt – aber das hier? Und dann das seltsame Plakat auf einem der Tische: „25 Jahre Arche Noah …“. Wo war er hier nur gelandet? Vielleicht ein gemischter Matrosen-Chor auf der inzwischen modernisierten Arche Noah? 25-jähriges Jubiläum, wo doch seine Arche heute ihren 250.000sten Geburtstag feiern müsste?

„Hm, mal sehen …“ dachte sich Noah und schwebte lautlos und für die anwesenden Menschen unsichtbar auf einen der Stühle, die sich in einer Ecke dieses seltsamen Schiffsraumes mehrlagig in die Höhe stapelten. Und dann: Nach mehrmaligem strengem Räuspern des Chorleiters, der von allen anderen ehrfürchtig mit dem Namen Michael angesprochen wurde, wurde es still. Mit freundlichen aber sehr deutlichen Gesten lud er die Anwesenden zum Singen ein.

Noah platzte fast vor Spannung: Die konzentrierten und erwartungsvollen Augen der Männer und Frauen erinnerten ihn an den Blick seiner damaligen Familie und der vielen Tiere auf seine Arche, kurz bevor Gott höchstpersönlich die Türen der Arche zuschlug, und das rettende Schiff sich vom sandigen Wüstenboden erheben sollten. In diese Gedanken versunken hätte Noah beinahe den Einsatz des Chores verpasst – aber die Dynamik der Stimmen riss ihn aus seinen Erinnerungen heraus.

Die anmutigen Damen des Soprans erhoben ihre hellen Stimmen zu einer wunderbaren Melodie, und Noah spürte, dass hinter jeder einzelnen Stimme der volle Einsatz für die gute Sache steckte. Ihre aufgeweckte Art erinnerte Noah an die Vielfalt der europäischen Singvögel, die er damals allmorgendlich auf seiner Arche besucht hatte, um ihnen bei ihrem abwechslungsreichen Gesang zuzuhören.

 

Dem Sopran folgte die Gruppe der Altstimmen, liebreizende Damen, die es kunstvoll verstanden, die Musik mit gegenläufigen Melodien zu bereichern. Ein bisschen erinnerte sich Noah dabei an die wunderbar bunten Vögel des südamerikanischen Urwalds, die normalerweise in den höchsten Baumwipfeln Wache hielten und sich mit ihren tieferen Gesangsstimmen wortreich unterhalten konnten. Wie gerne war er damals auf seiner Arche zu diesen prächtigen und farbigen Federtieren gegangen, um sie bei ihren gesanglichen Erzählungen zu belauschen.

Plötzlich ertönten die Tenor- und Bassstimmen. Ihre männliche Kraft, ihr ungestümes Vorwärtsdrängen kontrastierte zu den schwingenden Höhen der Sopran- und Altstimmen. Sicherlich – der Text, den die Männer da mit ihrem „Pom-Pom“ manchmal sangen, schien nicht wirklich sehr aussagekräftig zu sein. Irgendwie fühlte sich Noah dabei an die vielen graziösen Elefanten und wilden Bären an Bord seiner Arche erinnert. Diese bewundernswert muskulösen, majestätischen und treuen Tiere hatten im Konzert der Tierstimmen auch damals nicht so sehr die führenden Melodien … aber in jener Zeit auf der Arche wie auch hier in diesem Saal vermischten sich all ihre Stimmen und Melodien zu einer mitreißenden Harmonie.

Wäre auch nur eine Stimme nicht mit dabei – im Sopran, im Alt, im Tenor oder im Bass, europäische Singvögel, südamerikanische Urwaldfedertiere, indische Elefanten oder kanadische Grizzlys – es hätte damals wie auch hier im Saal etwas Wichtiges gefehlt.

Als der Chor den Refrain “Rhythm of life“ anstimmte und dabei Frauen wie Männer mit ihren Köpfen und Schultern im Takt des Liedes mitwogten, da übertrug sich der Rhythmus wie Magie auf Noah, und er begann unwillkürlich mit seinen Händen zu schnippen und auf seinem Stuhl grinsend mit zu swingen. So schwebte Noah noch eine ganze Weile auf dem Stuhl in diesem seltsamen Saal und hing seinen Gedanken nach, Gedanken, die schöner nicht sein könnten.

Hatte er nicht vor 250.000 Jahren in einer wunderbaren Gemeinschaft leben dürfen, gemeinsam mit seiner Familie und mit seinen tierischen Freunden? Hatten sie sich nicht gegenseitig a) trotz all ihrer Unterschiede auf dieser langen Fahrt über das Wasser b) trotz manch beängstigender Situation ihr Schicksal geteilt und sich gegenseitig Heimat geschenkt? Hatten sie Gott dem Herrn nicht auch gemeinsam von Herzen gedankt, als die Ladeklappe der Arche sich öffnete und sie endlich nach so langer Zeit strahlenden Sonnenschein, sattgrüne Wiesen und von Früchten sich biegende Bäume wiedersehen konnten? „Es stimmt!“, dachte sich Noah. „Hier in diesem Probesaal des Chores ‚Arche Noah‘ brauchen Menschen und Tiere nicht vor einer großen Flut gerettet zu werden. Aber in diesen vier Wänden gelingt es Männern wie Frauen, Gott zu danken, zu loben und zu bitten und sich (und andere) mit der Freude an der Musik zu beschenken, aber auch mit liebevoller Zuneigung, Anteilnahme und einer warmherzigen Heimat, zu der jedes Chormitglied immer wieder gerne zurückkehrt.“

Noch immer swingte und schnippte Noah im „Rhythm of Life“, als sich mit einem leichten Armkribbeln und Beinezwicken das Ende seiner irdischen Urlaubszeit ankündigte. Auch der heilige Geographikus wunderte sich nicht wenig, Noah dermaßen verändert und in allerbester Laune wieder im Himmel begrüßen zu können.


Gerade rechtzeitig erreichte Noah seinen angestammten Platz in der Chor-Reihe 5.357, als die heilige Cäcilia zum neuen 1000-jährigen Halleluja anstimmen ließ. Aber schon nach den ersten Takten spürte sie irgendwie einen anderen Geist in der Musik der Milliarden von Menschen, die bei Gott Gnade gefunden haben von Anbeginn der Welt. Sie konnte noch nicht genau sagen, um was es sich genau handelte, aber irgendwie vorne in den Reihen 5000-Plus gab es einen freudigen Swing und ein lebendiges Schnippen, das sie in all den vielen Jahren so noch nie gehört hatte.

(Diakon Matthias Linse)

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